Nkonzo

Interview mit
Mkhonzeni Sibusiso Nqayi,kurz Nkonzo

Imfundo – Stipendiat

01.September 2010 – Sankontshe / Südafrika

Vezuthando:
"Seit Anfang des Jahres studierst du jetzt an der ICESA Business Management. Ein halbes Jahr ist bereits vergangen und wir sind sehr gespannt zu hören wie es dir damit geht. Wie gefällt es dir?"


Nkonzo:
"Insgesamt gefällt es mir sehr gut und ich habe mich gut eingelebt. Auch wenn ich ehrlich gesagt am Anfang Zweifel daran hatte ob ich dem Druck stand halte und meinen Erwartungen gerecht werde kann. Mittlerweile bin ich jedoch sehr sicher in dem was ich mache und kann von mir behaupten einer der Besten in meinem Jahrgang zu sein. Ich freue mich sehr auf alles was noch auf mich zukommt und möchte so viel wie möglich während meines Studiums lernen.
In der Uni fühle ich mich sehr wohl, die Bedingungen sind sehr gut und die Art und Weise wie hier unterrichtet wird liegt mir sehr."

Vezuthando:
"Kannst du uns einen Einblick in deinen Alltag geben? Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?"


Nkonzo:
"Normalerweise habe ich fünf Mal die Woche Uni und das heißt für mich, dass ich morgens gegen halb sechs aufstehe um mich für die Uni fertig zu mache. Da ich aus Kostengründen bei meinen Eltern in Sankontshe wohne fahre ich jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Durban (ca. 75km). Um sieben verlasse ich demnach das Haus um rechtzeitig um neun Uhr in der Uni zu sein. Wenn ich Prüfungen oder andere wichtige Termine habe die bereits um neun Uhr morgens anfangen, dann breche ich bereits eine Stunde früher auf. Die öffentlichen Verkehrsmittel hier haben leider keine genauen Abfahrzeiten wie in Deutschland, sondern fahren los sobald sie voll sind was ich in die Zeitplanungen einrechnen muss.
Meine letzte Stunde endet um drei Uhr Mittags und meistens mache ich mich dann auch direkt auf den Rückweg um vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause anzukommen. Vor allem im Winter ist dies jedoch sehr schwierig, denn die Sonne geht bereits früh unter."

Vezuthando:
"Wie schaffst du es die Uni, dein Privatleben und zudem noch deine Musik zeitlich unter einen Hut zu bekommen?"


Nkonzo:
"Naja, gerade die Musik musste ich in der letzten Zeit stark zurückschrauben. Ich habe zwar viele Anfragen bei gewissen Events aufzutreten nur ist es oftmals so, dass ich dafür leider nicht bezahlt werde, oder die Bezahlung reicht gerade dafür meine Unkosten zu decken. Von daher würde es mich zu viel Geld und Zeit kosten welche zur Zeit eher rar ist. Im Moment unterstützt mich meine Mutter finanziell so gut sie kann, jedoch muss sie auch noch für meinen kleinen Bruder und meine Schwester aufkommen, so dass es am Ende des Monats oftmals etwas knapp wird. Um sie so gut wie möglich zu unterstützen versuche ich durch mein Musikequipment und die Kamera, die ich mir in Deutschland gekauft habe, ein bisschen Geld zu verdienen, welches direkt an meine Mutter geht.
Ansonsten verbringe ich die meiste Zeit mit der Uni, alleine das tägliche Reisen nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn ich in der Uni bin, versuche ich die Bibliothek, sowie das Internet so gut es geht zu nutzen um meine Arbeit dann zu Hause weiter machen zu können. Meistens lerne ich am Abend nachdem ich zu Hause angekommen bin oder halt am Wochenende. Gruppenarbeiten sind für mich eher schwieriger zu realisieren, da ich nach der Uni gucken muss, dass ich nach Hause komme.
Ganz angenehm ist es wenn wir unsere Examen schreiben, denn dann muss ich nicht jeden Tag in die Uni und habe den Tag um zu Hause zu lernen."

Vezuthando:
"Kann man also sagen, dass dich die tägliche Fahrerei im Studium behindert?"


Nkonzo:
"Im Prinzip schon, es konsumiert halt sehr viel Zeit welche ich mir sparen könnte, wenn ich direkt in Durban wohnen würde. Leider kann ich es mir nicht leisten ein Zimmer in Durban zu haben und meine Eltern unterstützen mich schon genug, da möchte ich nicht nach mehr fragen."

Vezuthando:
"Wenn du mal überlegst für was du so dein Geld ausgibst, was wäre das?"


Nkonzo:
"Am meisten gebe ich eigentlich für den Transport zur Uni und für Bücher, sowie Schreibwaren aus, da zahle ich jeden Tag 30,00 Rand (ca. EUR 3,00) um nach Durban und zurück zu kommen. Die Bücher die ich brauche versuche ich mir entweder mit anderen Studenten zu teilen, oder manchmal kaufe ich sie mir auch nur für mich selbst da ich oft mit ihnen arbeiten muss.
Ansonsten gebe ich am Tag eigentlich nichts aus. Ich versuche zu Hause zu essen und trinken kann ich aus der Leitung. Morgens frühstücke ich gut und wenn ich am Abend wieder zu Hause bin gibt es Abendessen. Manchmal ist es schwierig nichts auszugeben, denn wenn ich mit Freunden unterwegs bin und sie sich Mittagessen oder einen Snack holen dann versuche ich nicht zu zeigen das ich auch was essen wollen würde. Ich bin in meiner Uni aufgrund meiner Musikauftritte etc. sehr bekannt und ich möchte nicht das Bild vermitteln das ich kein Geld für Essen ausgeben kann. Ich versuche daher eher passiv zu sein und es ist mir eigentlich egal was andere dann von mir halten, denn ich möchte meinen Abschluss gut hinbekommen und würde dafür alles tun. Es mag sich vielleicht gerade krass anhören, dass ich im Laufe des Tages nichts esse, aber ich als ich jünger war habe ich das auch hinbekommen. Ich weiss wie ich damit zurechtkommen kann."

Vezuthando:
"Hattest du irgendwelche bestimmten Vorstellungen oder Erwartungen an die Uni?"


Nkonzo:
"Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich die Möglichkeit bekommen habe mich weiter zu bilden. Große Erwartungen hatte ich nicht, ich hatte ein paar Bedenken ob ich es alles schaffen werde. Jedoch nach einem halben Jahr fühle ich mich hier sehr wohl und freue mich auf die kommende Zeit."

Vezuthando:
"Wie schätzt du deinen Aufenthalt in Deutschland ein. Denkst du das er dir was gebracht hat?"


Nkonzo:
"Ja, definitiv! Deutschland hat mich sehr geprägt. Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt die mich heute dahin gebracht haben wo ich jetzt bin. Auch für meine jetzige Ausbildung kann ich von vielem welches ich in Deutschland gelernt habe profitieren. Zum Beispiel als ich noch zur Schule gegangen bin, war ich nicht wirklich selbstbewusst und habe oft versucht mich zu drücken, wenn ich vor meiner Klasse oder den Lehrern sprechen sollte. Heute muss ich in der Uni jedoch viele Präsentationen halten und Leute von mir überzeugen. In Deutschland habe ich gelernt, dass es für mich keine Möglichkeit gibt mich zu verstecken. Ich muss Leute überzeugen die ich noch nie zuvor gesehen habe und zudem noch aus einem anderen Kulturkreis kommen und deren Sprache ich nicht spreche. In meiner Rolle als Botschafter, musste ich daher versuchen alle Leute einzubinden und ein Bild von mir und stellvertretend meinem Land vermitteln, welches sie so schnell nicht vergessen würden."

Vezuthando:
"Wie sehen deine Hoffnungen und deine Träume heute aus? Hast du welche?"


Nkonzo:
"Im nächsten Jahr haben wir die Möglichkeit in einer Firma ein Praktikum zu absolvieren. Ich hoffe sehr, dass ich ein gutes Praktikum bekomme bei dem ich viel lernen kann. Es wird mein erstes Praktikum sein welches ich je gemacht habe. Ich denke das praktische Erfahrungen sehr wichtig sind um später einen guten Job zu bekommen.
Außerdem würde ich gerne in Durban für eine Weile arbeiten um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, Erfahrungen zu sammeln um so meine Gemeinde zu unterstützen. Mit meinem Verdienst werde ich in der Lage sein meine Eltern, die langsam in ein Alter kommen wo sie Unterstützung brauchen, zu helfen.
Mein großer Traum bleibt aber Sankontshe, meine Gemeinde, die Unterstützung zu geben die auch ich erhalten habe. Ich bin gefördert worden, weil Menschen die mich gut kennen an mich glauben und so mein Potential fördern. Auch meine Gemeinde hat dieses Potential und ich hoffe, dass ich mit meinem Wissen dazu beitragen kann sie zu unterstützen. Ich würde gerne eine Firma oder Organisation gründen, die Menschen unterstützt ihr eigenes kleines Business zu registrieren, sie darüber aufklärt wie man diese führt, welche Grundsätze man befolgen muss um es erfolgreich zu leiten etc. Desweiteren soll sie Menschen, die weniger privilegiert sind, die Möglichkeit geben praktische Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln."

Vezuthando:
"Nkonzo, ich bedanke mich sehr herzlich bei dir für deine Offenheit, wünsche dir im Namen von Vezuthando e.V. von Herzen alles Gute für deine persönliche Zukunft, aber auch für deine akademische Laufbahn. Möchtest du noch irgendetwas loswerden, oder vielleicht einen Gruß nach Deutschland senden? Du hast das letzte Wort."


Nkonzo:
"Für mich ist es sehr schön zu wissen, dass ich Freunde in Deutschland haben, die an mich glauben. Ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr ich jeden Einzelnen danke der es mir ermöglicht zur Uni zu gehen. Ich möchte das diese Menschen in ein paar Jahren stolz auf mich sein können für das was ich durch ihre Unterstützung erreicht habe. Wenn ich daran denke wo ich herkomme und sehe was alles machbar ist wenn man hart an sich arbeitet und Menschen hat die einen Vertrauen, dann ist das sehr ergreifend für mich."

"Vielen Dank!"